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Stich nach einer Hamlet-Skulptur von Sir Ronald Gower, 1881,
British Museum, London |
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Teo Otto, Bühnenbildentwurf zu Hamlet, Zürcher Schauspielhaus, 1948,
Regie: Oskar Wälterlin, Theatermuseum, Köln |
Öffentliche Vorstellung des digitalen ‘Shakespeare-Bildarchivs Oppel-Hammerschmidt’ an der Universitätsbibliothek Mainz am 17. November 2008
Anhand von Illustrationen zu Hamlet wurde am 17. November 2008 das neue digitale ‘Shakespeare-Bildarchiv Oppel-Hammerschmidt’ an der Universitätsbibliothek Mainz der Öffentlichkeit vorgestellt - zusammen mit einer aufwendig gestalteten, vielfach vernetzten Webversion. Die rund 3500 Bilder umfassende, bisher unpublizierte Sammlung ist Teil des weltweit einzigen Shakespeare-Bildarchivs, das der im In- und Ausland hochangesehene Shakespeare- und Goethe-Forscher Prof. Dr. Horst Oppel (1913-82) 1946 unter schwierigen Bedingungen an der gerade wiedereröffneten Mainzer Universität gründete. Dieser Teil des Archivs ging als Schenkung in den Besitz der Mainzer Universitätsbibliothek über - mit der Verpflichtung, seine Bestände elektronisch zu erfassen und öffentlich zugänglich zu machen. Gemäß Schenkungsvereinbarung vom 9., 15. und 16. September 2005 und unter Berücksichtigung der “Vollmacht und Absichtserklärung” von Frau Ingeborg Oppel, der Witwe und Rechtsnachfolgerin Prof. Oppels, vom 16. März 1988 trägt die Sammlung den Namen ‘Shakespeare-Bildarchiv Oppel-Hammerschmidt’. Vizepräsident Prof. Dr. Jörg Oldenstein eröffnete die Feierstunde mit den Worten, das Jahr 2008 sei ein gutes Jahr für die internationale Shakespeare-Forschung. Denn in diesem Jahr habe man in London Reste des von der Shakespeareschen Theatertruppe bespielten “Theatre” in Shoreditch freigelegt und in Mainz sei das Shakespeare-Archiv mit Tausenden von Illustrationen “online” gegangen. Univ.-Prof. Dr. Clemens Zintzen, ehemals Präsident der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur, hob die Highlights der über sechzigjährigen Geschichte des Shakespeare-Bildarchivs hervor. Schon seit 1963, als Horst Oppel in die Mainzer Akademie berufen wurde, sei das Archiv von der Akademie finanziell wie ideell gefördert worden. Das von Oppel 1976 beantragte Forschungsvorhaben “Die Shakespeare-Illustration” sei von Prof. Dr. Hammerschmidt-Hummel in der Zeit von 1982 bis 1996 an der Universität Mainz und von 1996 bis 2005 an der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur durchgeführt worden. Univ.-Prof. Dr. Mechthild Dreyer, Dekanin des Fachbereichs Philosophie und Philologie der Universität Mainz, die sich, wie sie mitteilte, bei ihren eigenen Forschungen seit langem und erfolgreich interdisziplinärer Methoden bedient, fand besonderen Gefallen an dem konsequent verfolgten fächerübergreifenden Forschungsansatz Frau Hammerschmidt-Hummels. Dieser habe sich auch bei dem Auf- und Ausbau der Sammlung des Shakespeare-Bildarchivs, der Durchführung des Forschungsvorhabens “Die Shakespeare-Illustration” und der Vorbereitung und Realisierung der Webversion des ‘Shakespeare-Bildarchivs Oppel-Hammerschmidt’ als sehr fruchtbringend erwiesen. Univ.-Prof. Dr. Kurt Otten zeichnete ein eindrucksvolles Porträt von Horst Oppel als Forscher-Persönlichkeit. An die zentrale Rolle der deutschen Geisteswissenschaften in der Nachkriegszeit - mit Vertretern wie Karl Jaspers, Ernst Robert Curtius u. a. - erinnernd, würdigte er seinen großen älteren Kollegen, der ihn nach Marburg geholt hatte und den er bewunderte, als einen der bekanntesten damaligen Gelehrten. Sein berühmtes, in viele Sprachen übersetztes Buch Morphologische Literaturwissenschaft: Goethes Ansicht und Methode (Mainz, 1947) sei ein “Renner” gewesen. Oppels Shakespeare-Bildarchiv, das als Basis für zahlreiche Dissertationen diente, habe sich weltweit großer Beliebtheit erfreut. Mit der Anstellung von Prof. Hammerschmidt-Hummel als leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin, die die Bestände des Archivs in den 1980er und 1990er Jahren von ca. 1600 auf ca. 7000 Illustrationen aufstockte, habe “der eigentliche Siegeszug dieser Institution” begonnen. Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Rüdiger Ahrens, OBE, machte auf die Forschungsergebnisse von Frau Hammerschmidt-Hummel aufmerksam, die direkt oder indirekt aus ihren Arbeiten am Bildarchiv hervorgingen und in den von ihm edierten Organen Anglistik und Symbolism publiziert und/oder rezensiert wurden: die Echtheitsnachweise für vier Shakespeare-Bildnisse, die Entschlüsselung des Geheimnisses um Shakespeares ‘Dark Lady’ und die Bestimmung der Religion des Dichters. Er rief in Erinnerung, dass er die Autorin auf dem “Anglistentag 1999” in Mainz dazu angeregt habe, die erste umfassende Shakespeare-Biographie in deutscher Sprache abzufassen - unter Einbezug ihrer neuesten Erkenntnisse über den Dramatiker. In ihrem mit zahlreichen Bildbeispielen angereicherten Vortrag berichtete Prof. Hammerschmidt-Hummel über ihre Arbeiten am Projekt “Die Shakespeare-Illustration” und beschrieb Art, Umfang und Bedeutung der im Archiv erfaßten bildkünstlerischen Darstellungen zu sämtlichen Dramen Shakespeares aus fünf Jahrhunderten, die bis in die Lebenszeit des Dichters zurückreichen. Unter den rund 800 Künstlern befänden sich die großen Namen der Kunstgeschichte: Frans Hals, William Hogarth, Daniel Chodowiecki, Johann Heinrich Füßli, Sir Joshua Reynolds, Benjamin West, George Romney, William Blake, William Turner, Eugène Delacroix, Karl Theodor von Piloty, Dante Gabriel Rossetti, Sir John Everett Millais, Jean-Baptiste-Camille Corot, Edouard Manet, Victor Müller, James Whistler, Odilon Redon, Alfred Kubin, Franz Marc, Wilhelm Lehmbruck, Oskar Kokoschka, Salvador Dali und Marc Chagall sowie eine Vielzahl herausragender Bühnenbildner wie Inigo Jones, William Telbin, Emil Orlik, Pawel Tschelitschew, Alexandra Exter, Willi Baumeister, Caspar Neher, Leslie Hurry, Karl Gröning, Hein Heckroth, Edward Gordon Craig, Adolf Mahnke, Eduard Schütte und Teo Otto. Vereinzelt seien auch Bildhauer vertreten wie etwa Sir Ronald Gower oder Alfred Hrdlicka. Als Rarität der neuen digitalen Sammlung bezeichnete Hammerschmidt-Hummel den 1881 publizierten Stich nach einer Hamlet-Skulptur von Sir Ronald Gower. Um Shakespeares todgeweihten Prinzen überzeugender verbildlichen zu können, habe Gower die geniale Idee realisiert, seinen Hamlet der von ihm bewunderten Darmstädter Shakespeare-Totenmaske nachzuempfinden, deren Echtheit sie 1995 - in Zusammenarbeit mit BKA-Experten und Medizinern - habe nachweisen können. Zu den herausragenden bühnenbildnerischen Werken der Webversion gehörten die Arbeiten Teo Ottos. Die teils abstrahierend, teils in malerischem Barock ausgeführten Ideen des Bühnenbildners hätten Theatergänger wie Kritiker gleichermaßen begeistert. Als erklärter Gegner des Nazi-Regimes, der in die Schweiz emigrierte, habe Otto ein besonderes Gespür für die in Shakespeares Tragödie dargestellte Repression, Bespitzelung und Gewalt besessen. Davon zeuge sein 1948 entstandener - kongenialer - Bühnenbildentwurf zu einer Hamlet-Inszenierung am Schauspielhaus Zürich, der Hamlet in einer Art Käfig zeigt, über dem die Raubtiere lauern. Das nun online gestellte digitale ‘Shakespeare-Bildarchiv Oppel-Hammerschmidt’ mit seinen 3500 Illustrationen, so Hammerschmidt-Hummel, sei eine Ergänzung der von ihr kompilierten, verfassten und edierten dreibändigen Ausgabe aus dem Jahre 2003.* Im Unterschied zur Print-Version handele es sich jedoch um eine Rohfasssung bzw. ein Arbeitsinstrumentarium, das nicht speziell für eine Edition aufbereitet worden sei. Dem ehemaligen Akademiepräsidenten und Vorsitzenden des Fördervereins der Mainzer Akademie Prof. Zintzen dankte die Shakespeare-Forscherin für seine Unterstützung und Vermittlung im Zusammenhang mit der Finanzierung des gedruckten Werks Die Shakespeare-Illustration (1594-2000), das nur aufgrund der großzügigen Übernahme der Druckkosten durch den Förderverein erscheinen konnte. Beide Sammlungen, Print-Ausgabe und Webversion, so betonte sie, gehörten zusammen und reflektierten den besonderen, sich in vielen Facetten darstellenden Blick der Künstler auf Shakespearesche Themen, Szenen, Figuren, Schauplätze, Schauspieler etc. Dank ihrer chronologischen Anordnung innerhalb einer Szene offenbarten sie - in kleinen überschaubaren Einheiten - den Wandel der künstlerischen Stile, Richtungen, Strömungen und individuellen Auffassungen. In der online gestellten Sammlung seien jedoch deutlich mehr Künstler vertreten als in der Buchpublikation. Bei letzterer mußte - durch relativ strenge Eingrenzung des Bildmaterials -auf zahlreiche Visualisierungen der Shakespeareschen Dramen wie beispielsweise Plastiken, Plakate, Fotografien, Szenenfotos aus Adaptationen für Bühne und Film und Comic-Strip-Darstellungen verzichtet werden, insbesondere auf eine Vielzahl von Bühnenbildentwürfen. Diese Illustrationen bereicherten nun das digitale neue Bildarchiv. Hammerschmidt-Hummel sprach dem Leitenden Bibliotheksdirektor der Universität Mainz Dr. Andreas Anderhub ihren Dank für sein unermüdliches Engagement aus. Nach vollzogener Schenkung habe er mit großem Enthusiasmus alle notwendigen Kontakte geknüpft, alle Arbeitsschritte initiiert und die schwierigen rechtlichen Probleme gelöst. Ihr besonderer Dank richtete sich an Dipl.-Bibliothekarin Heike Geisel von der Universitätsbibliothek Mainz, die in fast fünfjähriger Arbeit, teils sogar in ihrer Freizeit, die aufwendigen Digitalisierungsarbeiten durchgeführt, insgesamt 8800 Scans angefertigt und mit viel Ideenreichtum die weitere Erschließung der Sammlung vorgenommen habe, etwa durch die Aufschlüsselung und Vernetzung der Daten, die Zusammenstellung recherchierbarer Einzelthemen und einen Abgleich mit der Künstler-Datenbank des Kunstgeschichtlichen Instituts der Universität Mainz - zusammen mit dem Kunsthistoriker Dr. Klaus Weber. Frau Geisel habe ferner einen ausgesprochen hilfreichen “Wegweiser” (Faltblatt) für die Nutzung des ‘Shakespeare-Bildarchivs Oppel-Hammerschmidt’ verfasst. Wertvolle und unverzichtbare Unterstützung habe sie von der leitenden wissenschaftlichen Mitarbeiterin in der Zentralen Datenverarbeitung der Universität Mainz, Dr. Annette Holzapfel-Pschorn, erhalten. Unter Heranziehung neuester technischer Anwendungsoptionen sei es Frau Holzapfel-Pschorn möglich gewesen, die komplizierten Feinarbeiten der Verknüpfungen durchzuführen und eine intelligente Webversion einzurichten. Frau Geisel und Frau Holzapfel-Pschorn führten abschließend anhand von Illustrationen zu Hamlet die einzelnen Schritte der Handhabung dieser durchdachten und besonders nutzerfreundlichen Webversion mit ihren vielfältigen, zielorientierten und ergiebigen Suchoptionen überzeugend vor Augen und ernteten dafür großes Lob. Die vorgestellte Sammlung, die aus rechtlichen Gründen nicht für das Internet freigeschaltet werden kann,** fand in den Medien ein bemerkenswertes Echo. Sie dürfte auch in der Fachwelt sowie bei Kunst- und Kulturschaffenden, Regisseuren, Dramaturgen, Lehrern und unzähligen Shakespeare-Liebhabern auf großes Interesse stoßen.
Hildegard Hammerschmidt-Hummel
* Die Shakespeare-Illustration (1594-2000). Bildkünstlerische Darstellungen zu den Dramen William Shakespeares: Katalog, Geschichte, Funktion und Deutung. Mit Künstlerlexikon, klassifizierter Bibliographie und Registern. 3 Teile. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag / Mainz: Akademie der Wissenschaften und der Literatur, 2003, ca. 3100 Abb.
** Die Suche kann nur an Rechnern erfolgen, die im Netz der Universität Mainz eingeloggt sind. Informationen über das ‘Shakespeare-Bildarchiv Oppel-Hammerschmidt’ mit weiterführenden Links (“Von der Karteikarte zur Datenbank”, “Rechercheanleitung” und “Fachbibliothek Prof. Horst Oppel” an der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur) unter: http://www.ub.uni-mainz.de/6295.php
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